Die Verkehrserklärer!

25.10.2018 VIV vor Ort: 25 Jahre ICE nach Berlin

Thema "Pendeln" im rbb Inforadio

Inforadio-Reporterin Sabine Dahl schlägt eine Lösung für Pendler vor

Das rbb-Inforadio hat sich vergangene Woche (KW 35) mit dem Thema "Pendeln" beschäftigt. 

Und siehe da:

"Neue Bahnstrecken zu bauen, ist teuer und dauert lange. Inforadio-Reporterin Sabine Dahl weiß aber von einer Strecke, die seit Jahrzehnten vor sich hin dämmert und die nur wieder in Betrieb genommen werden müsste: Die Stammbahn in Zehlendorf. 1838 gebaut, damals die erste Bahnstrecke Preußens - seit dem Mauerbau aber nicht mehr genutzt." (Quelle: https://www.inforadio.de/dossier/2018/wir-muessen-reden---projekt-2018/total-verpendelt/ue-wagen/264114.html#top

Wer hätte das gedacht? So einfach kann es sein.

Nun, die Gesamtstrecke Potsdam-Berlin ist unseres Wissens nach seit 1945 nicht mehr befahren worden. Bis 1980 (und nicht wie im kompletten Radiobeitrag genannt 1984) fuhr der S-Bahn-Pendelzug Zehlendorf-Düppel.

Aber ein bisschen Wahres ist ja dran: heute ist die Stammbahn zwischen Zehlendorf und Steglitz nach wie vor betriebsfähig. Bis vor kurzem fuhren noch mehrmals die Woche Güterzüge nach Lichterfelde-West. Und es steht der Vorschlag im Raum, die in Wannsee endende RB33 einfach nach Steglitz zu verlängern. Dafür bräuchte man im Wesentlichen nur einen provisorischen Bahnsteig in Steglitz (wie es ihn während der Sanierung und Höherlegung des S-Bahnhofs auch schon einmal gab). Übrigens braucht es auch kein zusätzliches Fahrzeug (und damit Personal), denn der Dieseltriebwagen hat eine sehr lange Standzeit in Wannsee und könnte währenddessen nach Steglitz und zurück zu fahren.

Was fehlt, ist der verkehrspolitische Wille, die Verlängerung zu bestellen. Und an der Stelle wird es schwierig: Berlin sagt, wir bestellen innerhalb Berlins die S-Bahn und nicht Regionalverkehr, Brandenburg sagt, wir bestellen keinen Verkehr für Berlin. Und beide sagen, zwischen Wannsee und Steglitz verkehrt ja bereits die S1.

Auf der Strecke bleibt eine kostengünstige Lösung, die die langfristige Vision des vollständigen Wiederaufbaus der Stammbahn schon relativ kurzfristig im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar machen würde. Und die zudem den zentralen Umsteigepunkt des Berliner Südwestens, das Rathaus Steglitz, an das Regionalbahnnetz anschließen würde.

Wir meinen: eine gute Lösung!

Eine Fahrt auf der A2

Ein Zwischenruf

Nach längerer Zeit fährt der Autor dieser Zeilen mal wieder werktags auf der A2, genannt Warschauer Chaussee, gen Westen. Knapp 600 km liegen vor ihm, es geht über Hannover, "durch den Pott" kurz vor die niederländische Grenze.

Die vor nicht einmal zwanzig Jahren zwischen Berlin und Hannover grundsanierte A2 scheint bereits wieder ein Sanierungsfall zu sein. Und wenn es stimmt, dass ein Lkw die Autobahn so belastet wie 40.000 Pkw, dann darf man sich nicht wundern, dass es bereits wieder so weit ist.

Es ist, man kann es nicht anders ausdrücken, der Wahnsinn.

Auf der rechten Spur reiht sich Lkw an Lkw. Und da für dieses Verkehrsaufkommen die rechte Spur allein nicht ausreicht, wird teils auch die mittlere benutzt. Lkw an Lkw.

Man fragt sich:

Ist das der Preis, den wir zahlen für unsere Erwartung "heute bestellt, morgen geliefert"? Und die Industrie macht es ja bereits seit vielen Jahren vor, indem sie auf Lagerhaltung so weit wie möglich verzichtet und Teile dann anliefern lässt, wenn sie in der Produktion auch gebraucht werden. "Just in time" nennt sich das und dient betriebswirtschaftlich der Kostenoptimierung. "Externalisierung interner Kosten" nennt das der Betriebswirt.

Warum lassen wir all das zu? Warum verpflichten wir Spediteure nicht, mindestens für Transitverkehre die Fahrzeuge auf die Bahn zu verladen? Die Schweizer mit ihrer "Rollenden Landstraße" machen doch vor, wie es gehen könnte...

Acht Parkplätze und die Berliner Luftverkehrspolitik

Eine Polemik zum Fall Air Berlin

Was haben acht Parkplätze und der Fall Air Berlin miteinander zu tun? Richtig: Nichts.

Aber wiederum irgendwie doch!

Kürzlich wehte durch die Berliner Presse, vielleicht auch dem Sommer geschuldet, der Regierende Bürgermeister habe sich mächtig darüber aufgeregt, dass in seiner Wohnstraße acht Parkplätze im Zusammenhang mit der Förderung des Radverkehrs wegfallen sollen.

Diesen Ärger des obersten Repräsentanten unserer Stadt kann man nachvollziehen – oder auch nicht.

Man wünschte sich aber, dass er (und sein Senat) sich im Falle der Insolvenz ähnlich engagiert hätten!

Immerhin:

Mit Air Berlin, davon darf man jetzt ausgehen, verschwindet eines der wenigen Unternehmen, die ihren Sitz in Berlin haben.

Mit Air Berlin verschwindet ein nicht ganz unbedeutender Arbeitgeber.

Mit Air Berlin verschwindet eine Airline, die in der baulichen Konzeption unseres neuen Flughafens eine wichtige Rolle spielte. So ist der sog. Südpier ganz auf die Bedürfnisse von Air Berlin zugeschnitten – z.B. durch die Möglichkeit, Transitpassagiere abzufertigen.

Und mit Air Berlin verschwindet ein Unternehmen, das nicht zuletzt den Namen unserer Stadt im wahrsten Sinne des Wortes in die Welt transportiert hat.

Und der Senat? Nichts.

Pflichtschuldig ein Statement der Wirtschaftssenatorin, dass die Arbeitsplätze hoffentlich erhalten bleiben (war wir natürlich auch hoffen). Und ansonsten Allgemeinplätze, dass andere Airlines die Flüge übernehmen würden und BER, Air Berlin hin oder her, sowieso kein Drehkreuz würde.

Wir finden: das ist eindeutig zu wenig und drückt ein Desinteresse an dieser Stadt aus, dass nur schwer nachvollziehbar ist.